Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) können Anleger verhindern, dass ihre Bank oder Sparkasse Steuern auf Kapitalerträge ans Finanzamt abführt.

Eine Nichtveranlagungsbescheinigung ist immer dann interessant, wenn Sie ein niedriges zu versteuerndes Einkommen und Kapitalerträge oberhalb des Sparerpauschbetrags von 801 bzw. 1.602 Euro (ledig/verheiratet) haben. Bei Kapitalerträgen unterhalb dieser Grenze, können Sie Ihrer Bank einfach einen Freistellungsauftrag erteilen. Eine NV-Bescheinigung benötigen Sie in diesem Fall nicht.

Wer bekommt eine Nichtveranlagungsbescheinigung?

Eine NV-Bescheinigung kann jeder beantragen, dessen zu versteuerndes Einkommen unter dem Grundfreibetrag von 8.820 bzw. 17.640 € (Angaben für 2017; ledig bzw. verheiratet) liegt. In der Praxis ist eine Nichtveranlagungsbescheinigung vor allem für Rentner und Kinder interessant.

Nichtveranlagungsbescheinigung Rentner

Rentner haben gewöhnlich kein Arbeitseinkommen. Zwar sind auch Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung steuerpflichtig (siehe Besteuerungsanteil); bei vielen Rentnern liegt das zu versteuernde Einkommen aber unterhalb des Grundfreibetrags.

Rechenbeispiel:

  • Sie sind 2005 mit einer Jahresrente von 12.000 Euro in Ruhestand gegangen, davon sind 50 % (also 6.000 Euro) steuerfrei. Nach den seither erfolgten Rentenanpassungen beziehen Sie 2017 eine Rente von ca. 14.000 Euro. Von dieser Summe werden die 6.000 steuerfreien Euro, die Werbungskostenpauschale von 102 Euro sowie der Sonderausgabenpauschbetrag von 36 Euro abgezogen. Für 2015 ergibt sich also ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 7.862 Euro. Die Differenz zum Grundfreibetrag von 8.820 € beträgt 958 Euro.
  • Wenn Sie keine weiteren steuerrelevanten Einnahmen oder Ausgaben haben, dürften Sie 2017 Kapitalerträge in Höhe von 2.399 Euro steuerfrei einnehmen. Die Summe errechnet sich wie folgt: Von den 2.399 Euro gehen der Sparerpauschbetrag von 801 Euro ab, macht 1.596 Euro. Hiervon geht der so genannte Altersentlastungsbetrag ab (40 % von 1.596 Euro = 638 Euro) ab. Von den vereinnahmten Kapitalerträgen sind also nur 958 Euro zu versteuern, genau die Differenz zwischen dem Jahreseinkommen und dem Grundfreibetrag.
  • Über einen Freistellungsauftrag können Sie aber maximal 801 Euro freistellen. Auf den darüber liegenden Betrag führt Ihre Bank 25 % Abgeltungssteuer (plus 5,5 % Soli und ggf. Kirchensteuer) an den Fiskus ab. Dies können Sie verhindern, indem Sie bei Ihrer Bank eine Nichtveranlagungsbescheinigung einreichen.

Nichtveranlagungsbescheinigung Kinder

Kinder sind vollwertige Steuerzahler, insofern gelten für sie die gleichen Freibeträge wie für Erwachsene auch. Wenn Ihr Nachwuchs Einkünfte aus Kapitalvermögen hat, etwa aufgrund einer Erbschaft oder weil Sie Vermögen an ihre Kinder übertragen haben, lohnt es sich, für die Kinder eine Nichtveranlagungsbescheinigung zu beantragen. Aber aufgepasst:

  • Wenn Kinder Einnahmen von mehr als 4.200 Euro jährlich haben, können sie nicht mehr beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse mitversichert werden. Auch für andere (staatliche) Leistungen wie Kindergeld oder Bafög gelten bestimmte Einkommens- und Vermögensgrenzen. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Rechtsanwalt oder Steuerberater.
  • Damit der Fiskus die Übertragung von Vermögen an Kinder anerkennt, muss die Übertragung endgültig und durch einen Schenkungsvertrag beurkundet sein. Auch hier sollten Sie sich im Zweifelsfall bei Ihrem Rechtsanwalt oder Steuerberater erkundigen.

Wie beantrage ich eine Nichtveranlagungsbescheinigung?

Der Antrag auf eine NV-Bescheinigung (NV 1 A) kann im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung als PDF herunter geladen oder online am Computer ausgefüllt werden. Sie bekommen das Antragsformular natürlich auch beim Finanzamt.

In dem Antrag müssen sämtliche Einnahmen, also Renten, Kapitalerträge, Einkommen aus Nebenjobs usw. aufgeführt werden. Außerdem können Sie steuersparende Posten wie Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen angeben. Den Antrag geben Sie bei dem für Sie zuständigen Finanzamt ab, das Ihnen eine Nichtveranlagungsbescheinigung ausstellt – vorausgesetzt Ihr zu versteuerndes Einkommen 2017 liegt unter dem Grundfreibetrag von 8.820 bzw. 17.640 € (ledig/verheiratet).

Die Nichtveranlagungsbescheinigung reichen Sie bei allen Banken ein, bei denen Sie Einnahmen aus Zinsen oder Dividenden haben. Hierfür tragen Sie in Zeile 22 des Antragsformulars ein, wie viele NV-Bescheinigungen Sie benötigen. Die Nichtveranlagungsbescheinigung wird für maximal drei Jahre ausgestellt und muss danach erneut beantragt werden.

Achtung: Die NV-Bescheinigung ist keine Befreiung von der Steuerpflicht. Wenn die Einkünfte höher ausfallen als erwartet und den Grundfreibetrag übersteigen, muss der darüber liegende Betrag versteuert werden.